Catherine Allié

Die Lieferkette des von Catherine Allié mitgegründeten Labels „we are KAL“ ist vollständig transparent und soll regionale Produzenten – etwa in Indien – bestärken, die Textilherstellung weiterzuführen: „In der Herstellung von Textil sehen wir nur im ganzheitlichen Ansatz einen Sinn. Das heißt, die Umwelt, die Menschen und die Kulturen zu schätzen und in Harmonie mit ihnen zu arbeiten.“

Wie würden Sie we are KAL in wenigen Sätzen beschreiben? Wie kam es zu der Idee?
we are KAL ist eine Gemeinschaft von Menschen die an der Entstehung von Textil teilhaben. KAL (hindi: कल) bedeutet gleichermaßen “gestern” sowie “morgen” und ist der Name unseres Textillabels. Wir haben eine transparente Lieferkette von Wolle und Seide kreiert und teilen diese durch unsere Produkte, angefangen von dem Rohstoff zu Schals, Kleidung und Teppiche, die alle handgesponnen und handgewoben sowie frei von Chemikalien sind.
Die Idee kam durch mein starkes Interesse in Textil / Kulturen sowie die Ermüdung von der konventionellen Textilindustrie.
Wieso verfolgen Sie diesen ökologischen und sozialen Fokus?
In der Herstellung von Textil sehen wir nur im ganzheitlichen Ansatz  einen Sinn. Das heisst, dass es wichtig ist die Umwelt, die Menschen und die Kulturen zu schätzen und in Harmonie mit ihnen zu arbeiten. So kann man zwischen all diesen Elemente eine Balance schaffen und somit nicht nur sozialunternehmerisch tätig sein, sondern auch kulturell und ökologisch eine positive Auswirkung haben.
Spüren Sie Leistungs- oder Erfolgsdruck als Unternehmerin? Falls ja: Wie gehen Sie damit um?
Ich denke, dass es hier natürlich zum einen die generelle Erwartung des Umfelds ist und dann die eigene Einschätzung. Ich habe starken Leistungsdruck immer kurz vor Niederlagen gespürt und habe somit einen Zusammenhang gefunden. Und seitdem eine gewisse Demut entwickelt, die den Druck nicht mehr so ernst nimmt.
Worauf legen Sie im Leben wert – Geld, Sinn in der Arbeit, Freizeit, Familie? Wie teilen Sie Ihre Zeit zwischen diesen Dingen auf?
Ich bin meiner Arbeit sehr dankbar, da sie mir Bescheidenheit gelehrt hat. Ich erfreue mich an unserem Team, an der Reichhaltigkeit der Kulturen und der Relativität, die somit kommt. Ich sehe Sinn in meinem Schaffen, wenn ich ein Pferd bepackt mit Wolle durch die Himalayas führe und dadurch unserem Team zeigen kann, dass deren Kultur einzigartig ist und unseren Interessenten, dass gute Dinge Zeit brauchen.
Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Wir möchten die Lebensweise und die manuelle Herstellung von Textil in den Regionen, in welchen wir arbeiten, bestärken und die Menschen motivieren, dies fortzuführen. Das Wichtigste ist Anerkennung zu zeigen und es zu ermöglichen, dass das Weben oder die Tierhaltung eine Arbeit ist, die für den Lebensunterhalt sorgen kann. Wir möchten diese zusammen mit den Generationen neu erfinden und mit innovativen Ansätzen das Leben erleichtern.

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